29 April 2014 - 04:55
Opfer-Angehörige des Massakers an Muslimen beim Bosnienkrieg klagen gegen die Niederlanden

Die Hinrichtung tausender muslimischer Männer und Jungen in Srebrenica während des Bosnienkriegs beschäftigt nun auch ein Zivilgericht in den Niederlanden.

Kläger bei dem am Montag in Den Haag begonnenen Prozess gegen den niederländischen Staat ist die Vereinigung der "Mütter von Srebrenica", in der etwa 6000 Frauen zusammengeschlossen sind.

Die niederländischen UN-Soldaten hätten die muslimischen Zivilisten in Srebrenica vor dem Massaker durch bosnisch-serbische Milizen im Jahr 1995 schützen müssen, argumentierte ihr Anwalt Marco Gerritsen vor Gericht. "Sie haben den Mord an tausenden Zivilisten nicht verhindert."

Die "Mütter von Srebrenica" wollen nach eigenen Angaben durch die Klage Gerechtigkeit erreichen - und Schadensersatz. Der niederländische Staat weist alle Verantwortung für das Massaker zurück, unter anderem weil die Soldaten unter UN-Ägide standen.

Bosnisch-serbische Milizen hatten während des Bosnienkriegs in Srebrenica innerhalb weniger Tage im Juli 1995 etwa 8000 muslimische Männer und Jungen zusammengetrieben und getötet. Das Massaker in der ostbosnischen Stadt ging als folgenschwerstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Geschichte ein. Vom UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wurde es als Völkermord eingestuft.

Die schlecht ausgerüstete niederländische UN-Truppe hatte keinen Widerstand geleistet, als die bosnisch-serbischen Truppen anrückten. Einem UN-Bericht zufolge überließen die niederländischen Soldaten alle Beobachtungsposten und Sperren widerstandslos den bosnischen Serben. Diese sonderten anschließend alle muslimischen Männer und Jungen aus und töteten sie in Massenhinrichtungen.